Mir schnuppe …

Der perfide Lorenz

Neulich war es wieder so weit. Sternschnuppenzeit. Tage, ja Wochen vorher geht es los: “Laurentiusnächte, Perseidenstrom, Vollmond dieses Mal!” Wie ungünstig. Denn bei gleißendem Licht fällt selbst der glimmerndste Stern kaum auf. Da geht schon mal unter, was in finsterer Nacht noch eine wunderbare Leuchtspur ist. Wie im richtigen Leben halt. Drum wünschen wir uns doch alles Gute herbei: Geld und Glück, die ewige Liebe und ein berauschend aufregendes Leben. Natürlich auch die nötige Gesundheit, um dies alles auszuhalten.

109/P Swift Tuttle ist der Verursacher. Das hat doch was. Swift Tuttle. Der Wanderschweif, aus dem die Perseiden persistieren. Ganz schön pervers. Dieser Komet bestückt uns mit seinen Abfallprodukten, und wir Erdlinge sind noch ganz heiß auf sie. Erst recht dann, wenn sie erkaltet aus dem Boden gebuddelt werden müssen. Für vierstellige Kilopreise werden die Metalltrüffel gehandelt. Große Trümmer für Museen, kleine Stückchen auf Mineralienbörsen. Aberglaube als Anhänger gefasst.

Da liege ich nun also in sehnsüchtiger Erwartung. Die zunehmende Feuchtigkeit lässt mich am Untergrund kleben. Wie viele kalte Augustnächte habe ich bereits auf der Rutsche verbracht? Richtig, Rutsche! Wunderbare Schräglage. Denn bei allem naturwissenschaftlichen Forscherdrang soll es ja bequem sein. Was nützt die mögliche Erfüllung eines Wunsches, wenn man sich nicht mehr über ihn freuen kann, weil der durch stundenlanges zum Himmel Starren eingehandelte steife Nacken sogar das Lachen schmerzhaft macht? Natürlich riskiere ich, dass späte Spaziergänger sich wundern, was die komische Alte auf dem Kinderspielplatz treibt. Immerhin, es hatte noch nie einer die Psychiatrie angerufen. Keine Männer in weißen Kitteln kamen, um mich zu verschnüren und mitzunehmen. Auch keine Gendarmen, die mich ohne Wohnsitz vermuteten.

Nach zwei Stunden geht es mir umgekehrt wie dem Heiligen, der damals gesagt haben soll: “Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein.” Sieben Grad sind es noch. Kühl ist gescherzt, die Vorfreude wich längst einer stumpfen Art alljährlicher Pflichterfüllung. Aber jetzt aufgeben hieße womöglich das Spektakel zu verpassen. Hunderte von Schnuppen sollen vom Himmel fallen. Langsam passt sich die Sitzfläche der Liegefläche an. Eisig. Tja, meine Herren! Nun wisst ihr, warum Frauen immer einen kalten … Nasenspitz haben.

Mit klammen Fingern am Tele der Kamera gezoomt. Da! Ach nein, Nachtflug München-Zürich, der dritte. Fluglärm hin oder her. Immerhin müssen die Quoten noch erfüllt werden, ehe Ruhe angesagt ist. Wer fragt mich nach Erfüllung? Hatte jemals was geklappt? Außer vor etlichen Jahren der alte Klappstuhl. Der schloss sich mit einem knarrenden Schnappen, als ich himmelwärts glotzend hintenüber kippte und mich zwischen Nacktschnecken im nassen Gras wieder fand.

Und natürlich: Nicht drüber sprechen! Sonst wird nicht gewährt, was von Herzen erbeten wird. Gehört das fast schon mantramäßige Murmeln, um mich wachzuhalten, auch dazu? Mit wem sollte ich denn reden? Meine Zähne klappern Staccato, mich würde eh niemand verstehen.

Meteoriten dagegen sind leise. Selbst dann, wenn sie ihre Umlaufbahn verlassen, in die Erdatmosphäre eindringen. Ihnen wird dabei wenigstens warm. Ich dagegen dämmere weit nach Mitternacht halberfroren vor mich hin. Vielleicht hätte ich mir meinen Wunsch auf ein Stückchen Papier schreiben sollen, damit ich ihn nicht vergesse. So langsam nämlich denke ich nämlich nur noch: Bad, Tee, Suppe, Schnuppe. Welchen Kerl wollte ich jetzt doch gleich noch mal? Nicht, dass ich mich hinterher wieder verwünsche.

Ganz offensichtlich trübt die Kälte nun schon mein Bewusstsein. Links von mir im fast zugewachsenen Weiher quakt ein Prinz und ruft mich zu sich. Mir schnuppe, denn es war wie fast jedes Jahr. Erfolglos. Kurz hatte es mir, glaub ich, sogar in die Augen geregnet. Ach du Heiliger, heißt es am Ende vielleicht gar deshalb Tränen des Laurentius? Boshafter alter Mann!

Auf einen Hugo

Kleines Schreibspiel unter Freunden. Das Ende war vorgegeben, den Anfang hatte ich bereits stehen, als wir uns dazu beschlossen, die Geschichte nicht zusammen, sondern jeder für sich zu entwerfen. Ich setzte noch eins drauf und reglementierte mich auf 1800 Zeichen (= Normseite).

Hugo verfluchte sich. Verfluchte sich und die hitzige Bäckerin, die es wieder mal geschafft hatte ihm ein altes Mohnbrötchen anzudrehen. Er liebte den Geschmack, vor allem zu Almbutter und Käse. Aber nun, verdammt noch mal, hatten sich die kleinen Samen unter sein Gebiss geschoben. Beim Versuch die Störung mit der Zunge zu beseitigen geriet sein Kinn völlig außer Kontrolle. Irritiert stolperte er und kam vom schmalen Steg, der durch das Moorgebiet führte, ab.

Käthe, seine Schnappschildkröte, nahm die vermeintliche Provokation auf. Weil Hugo allerdings zu weit in der Minze stand, ließ sie enttäuscht den Kiefer guillotineartig nach unten fallen. Traf dabei das dritte Ei von Frau Ente. Die Schale knirschte bedenklich und der daneben stehende Erpel, der sein Balzresultat gefährdet sah, auch. Ein ziemlicher Affront, fand Ernest Erpel und bestieg die Schildkröte. Nicht in sexueller Absicht, nein, einfach nur um einen besseren Überblick zu haben.

Hugo hatte sich zwischenzeitlich aus dem Feuchtgebiet gerappelt, den Mund voller Minze, die frisch-scharf mit dem Geschmack des Brackwassers kontrastierte. Zu sehr hätte er sich eine Flasche Prosecco herbeigewünscht. Schon der Gedanke daran machte ihn wieder torkeln, und er landete erneut im Sumpf. Diesmal bäuchlings. Und, nein, es war nicht mal Entengrütze, die er nun zwischen seinen gebleichten Zähnen und den alten, affig glänzenden Jacketkronen hatte. Auch nicht die Weintraube vom Käsespießchen. Es war schlicht und einfach Entendreck. Ihn würgte, und er reiherte auf Platy, den vor ihm schwimmenden Zahnkarpfen. Dabei verlor er die teure Teilprothese.

 Er nahm das Gebiss, das Mohnbrötchen und die verschreckte Schildkröte wieder an sich, steckte die Weintraube in die linke Hosentasche und ritt auf seinem Erpel in den Sonnenuntergang.

Selbstredend bringe ich auch Ihren gewünschten Text auf den Punkt. Zeichengenau, aussagekräftig. Sprachlich und fachlich kompetent, denn über Dinge, die mir nicht (am Herzen) liegen, schreibe ich nicht. Ist nur der materielle Aspekt Motivation, fehlt den Zeilen echtes Leben.

 

 

Die schwarze Freundin

Wieder einmal starb einer in ihrer Umarmung. Wiederholung. Endlosschleife.

Da wird er nun durchgelassen, der aus dem Leben Geschiedene. In sämtlichen Medien nur noch ein Thema. „Wer hätte das gedacht“, „Der hatte doch alles“, „Die arme Familie“. Und jeder gelobt Besserung, will künftig mit dem Tabuthema „Psychische Erkrankung“ anders umgehen.

Aber auch hier wird trotz Wille kein Weg sein. Nach wie vor werden psychisch Erkrankte die Außenseiter bleiben. Und die Rechnung für ihr „Nicht-Funktionieren“ ist erst das berufliche, dann das gesellschaftliche und oft auch das private Aus. Ja, wer Krebs hat, der ist was. Krank nämlich, und nicht arbeitsscheu, antriebslos, willensschwach, gefühlsarm, gestört, kein Simulant, kein Versager.

Keiner weiß, ob nicht die Mortalität bei Depressiven nicht sogar höher ist als die bei Krebskranken, denn wer kann sagen, ob ein Autocrash wirklich ein Unfall war oder ein Eigentötungsdelikt? Keiner der so voreingenommen Verurteilenden weiß, wie sehr diese Menschen noch zusätzlich unter den Vorwürfen ihrer Mitmenschen leiden. Denn sie sind ja nicht sichtbar gehandicapt. Oft spielen sie sogar ihre von der Gesellschaft aufgedrängte Rolle so perfekt, dass sie für wahre Glückskinder gehalten werden.

Keiner stolpert über die abgelegte Maske, denn die fällt nur in der Einsamkeit. Immer öfter. Und immer schwieriger wird es sie wieder aufzusetzen. Eine Chance hat nur der, der das Glück hat, beruflich-finanziell wie privat auf Gefühlsebene aufgefangen zu werden, falls er sich in stationäre Langzeittherapie begibt, einen guten Therapeuten findet und verträgliche Medikamente. Für die weniger Glücklichen sind die Weichen gestellt …

Dennoch, der Rummel mag vielleicht doch etwas Gutes haben: Er kann den Hinterbliebenen von Anderen helfen zu verstehen, dass nichts und niemand jemand aufhalten kann, der sich auf die große Reise machen will. Keine Liebe, kein Arzt, nicht Geld noch Ruhm.

Robin Williams? Mitnichten! Dieser Text entstand am 15. November 2009. Sie erinnern sich?

 

Presse, Ranking und Autoren

Tage gibt’s und Beiträge … Ist das nicht ein herrlicher Gedankengang: “Ich weiß, dass mein Buch voller Grammatikfehler ist, also verschenke ich es.” Oder “Ja, meine Leseprobe ist fehlerhaft, das wird schon noch.”

Dumm oder dreist? Ich möchte diese Leute mal sehen, wenn ihnen der Bäcker die frischen Brötchen verweigert, ihnen stattdessen verschimmelte mitgibt mit den Worten “Friss, die kosten ja auch nix!” Wenn auf dem Probiertellerchen im Laden statt der krossen Schnitte mit delikater Wurst einfach Teig und Brät hingebatzt ist. “Wird schon noch, irgendwann, bis dahin iss es doch so!” Bestimmt käme genau von dieser Gruppe heftigste Entrüstung.

Meine lieben Leute, was denkt ihr euch dabei? Ist es Selbstherrlichkeit, mangelndes Nachdenken? Bei der Vielzahl von Indie- und Kleinverlag-Autoren sollte man sich positiv abheben, wenn man verkaufen will.  Das fängt beim äußeren Rahmen an. Und hört bei der Korrektur nicht auf. Wer zudem glaubt, auf ein Lektorat verzichten zu können, verzichtet auf Umsatz. Selbst bei gelerntem Handwerk und echtem Talent, was in der Kombination eh schon mehr als selten ist.

Ergänzend kommt dann noch dazu, es darf nix kosten. Klar doch. Funktioniert immer. Deshalb macht ja auch die Autoindustrie keine Werbung, sondern stellt nur ein paar Rostkübel an die hinterste Straßenecke. Nein?

Und dann noch die Annahme, nur bezahlte Portale bringen im Ranking was. Ja, das trifft dann zu, wenn sie einen professionellen Text veröffentlichen. Nur, sollte das ein Autor nicht grad noch selber schaffen, einen Mehrzeiler, der gefunden und gelesen wird? Kann man sich nicht soweit in die Materie einarbeiten, um das hinzukriegen? Wenn man schon keinen Profi bezahlen möchte? Wie kommt man auf die Idee, Journalisten suchen im Internet nach einem Buch von einem völlig unbekannten Verfasser? Wäre es nicht geradezu Pflicht, sich mit dem Arbeitsalltag der “Vertriebspartner” vertraut zu machen, damit man sie erreicht?

Wo sind die Ziele solcher Schreiber? Die Wenigsten tippen einfach so vor sich hin, fast alle träumen von Bekanntheit, Umsatzzahlen und ja, dem Bestseller. Warum verweigern sie sich aber von vorn herein den Weg dorthin? Fragen über Fragen …

Hunderziehung leicht gemacht – Die Anschaffung

Damit fangen Sie am besten schon vor der Anschaffung an. Sie fragen sich, wie das gehen soll? Lesen Sie selbst!

Bald ist es so weit. Sie haben sich gründlich überlegt, ob in Ihrem Leben Platz für einen Hund ist. Alles passt, die Familie steht hinter Ihnen, Sie verfügen über genügend Freizeit, Ihr Vermieter ist damit einverstanden, ja vielleicht besitzen Sie sogar ein eigenes Haus mit Garten. Für Krankheitsfälle – sowohl Ihre als auch beim Hund – gibt es eine Ersatzperson, die Sie vertritt. Jetzt gilt es noch den “Richtigen” zu finden.

Soll es ein Welpe vom Züchter sein, ein erwachsener Hund aus dem Tierschutz? Welche Rasse, welcher Mix könnte zu Ihnen passen? Am besten schreiben Sie in Stichpunkten auf, wie bislang Ihre Freizeit ausgesehen hat und was Ihr neuer Hausgenosse mit Ihnen teilen soll. Sie sind selber eine Sportskanone, joggen gerne, laufen vielleicht sogar Halbmarathon, fahren gerne Rad? Wochenende und Berge waren bislang untrennbar für Sie, und im Urlaub wird nochmal eins drauf gelegt? Dann muss auch vierbeiniger Kamerad mithalten können. Sehr kleine oder große, schwere Hunde tun sich damit eher schwer. Wollen Sie es eher gemütlich haben, finden Sie bei den Letztgenannten mit größerer Wahrscheinlichkeit ihr passendes Gegenstück

Sind Sie bereit, wirklich ausdauernd, mit stringenter Konsequenz am Jagdtrieb eines Hundes zu arbeiten, damit er überhaupt von der Leine gelassen werden kann? Ihm hinreichend Nasenarbeit als Jagdersatz zu bieten? Oder hätten Sie lieber einen Hund, der den berühmten Will-to-Please mitbringt, den Wunsch Ihnen, womöglich sogar ausschließlich Ihnen zu gefallen? Hütehunde oder Retriever, die nicht aus der Arbeitslinie stammen, werden tolle Wanderpartner, die einfach so “nebenher” laufen können, hat man über die Grunderziehung hinaus “Team-Work” geleistet und an der Bindung gearbeitet.

Sie sehen, Ihre persönlichen Vorlieben in Verbindung mit den rassebedingten Eigenschaften (über die Sie sich durch Bücher, im Internet oder sogar kostenfrei bei Trainern und Hundeschulen, die sich der Aktion “Augen auf beim Welpenkauf” angeschlossen haben, informieren können) eines Hundes ergeben schon eine Gemeinsamkeit. Je mehr Übereinstimmung, desto leichter wird die Erziehung werden. Die soll schließlich beiden Partnern Spaß machen.

Jetzt bereits können Sie anfangen, sich mit Hundehaltern auszutauschen, wo passende Hundeschulen – ein “Kann”, kein “Muss” – zu finden sind, nette und kompetente Tierärzte. Welches Hund-Halter-Team in Ihrem Viertel ist so, wie Sie sich die künftige Gemeinschaft vorstellen – genau die befragen Sie intensiver nach Erfahrung und Erziehung.

Dann also geht es los. Ob Sie sich für einen Welpen vom Züchter – und bitte niemals aus dem Kofferraum! – oder einen erwachsenen Hund entscheiden, will auch überlegt sein. Ein Welpe braucht noch mehr Zeit und Fürsorge, muss fünf Mal am Tag gefüttert werden und nahezu doppelt so oft raus, damit die Sauberkeitserziehung rasch gelingt. Ein “Großer” mag je  nach Alter schon ausgereift ein. Ihr Vorteil: Sie sehen, was auf Sie zukommt, aber negatives Verhalten kann schon so ausgeprägt vorliegen, dass es nur schwer oder nie mehr ganz abzutrainieren ist. Wer eine erfahrene Person mit zum Kauf nimmt hat den Vorteil, dass vier Augen mehr sehen als zwei.

Welpen sollten Sie bereits vor Ihrer Entscheidung öfter besuchen dürfen, und Tierheime freuen sich über Gassigänger. Planen Sie einige Zeit ein, ehe Sie sich festlegen. Es muss passen, die Chemie stimmen, denn nur so haben Sie die nächsten zehn, fünfzehn Jahre Freude an der Partnerschaft. Und nur dann fällt Ihnen Erziehungsarbeit leicht.

Im nächsten Blogbeitrag finden Sie Tipps zum Thema “Hunde, Jogger und Radfahrer”.

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Vorablesen: “Shining Girls”

Was macht das Hinkebein mit dem Plastikpony in der Tasche und wie passt die Sommeridylle zu den bitterschwarzen Gedanken, die der Mann hegt? Eine Hummel verliert ihre Flügel – was wird mit dem Mädchen Kirby, dem der Ramschzirkus gehört? Das Plastikpfand auf dem Boden, ein ungutes Pfand. Wofür?

Vierzig Jahre zurück. Eine Gegend, in der man nicht leben möchte. Eine Zeit, die bekannt und dennoch fremd ist. Blut und eine bewusstlose Frau. Ein Täter in der Falle, eine Razzia rettet ihn vor Lynchjustiz.

Malerisch rasant fabriziert Lauren Beukes mit Worten einen Sog. Untiefen, denen man nicht auskommt. Abstoßend und faszinierend zugleich die Geschichte von Harper, dem Hinkenden. Man fühlt den Schmerz, riecht den Dreck, den Regen. Sorgt sich um Opfer, deren Zahl, deren Geschichte man nicht kennt.

Und will mehr, viel mehr als diese hypnotisierende Leseprobe, möchte das ganze Buch. Jetzt. Sofort!

zu Lauren Beukes “Shining Girls”

Sie wünschen zu einem, zu Ihrem Buch eine professionelle Beurteilung? Als geübte Rezensentin – unter anderem für literaturtipp.com und Langenscheidt – freue ich mich auf Ihre Nachricht!

 

Von der Inflation der Punkte

In den letzten Jahren – war es nun seit “101 Dalmatiner” oder schon vorher – pünktelt es zunehmend allüberall. Nicht auf dem Marienkäfer, nein. Auch nicht in Flensburg. Vor allem dort, wo die Tupfen nicht hingehören. Weitflächig über die Republik verteilt und vor allem im Net. Nicht als Punkte, die die Fäden verknoten. Sondern unerträglich überall da, wo dem Schreiber die Worte ausgingen, Fragmente bröckeln, sich ausgelassen wurde und weitaus mehr auszulassen wäre.

Soll es cool sein, fehlenden Hintergrund vortäuschen? Wurde das in der Schule Gelernte binnen Wochen schon vergessen? Mein Lektorenauge tränt, die Fremdschamröte überzieht sogar die Lider. Spätestens dann, wenn Punkte Buchstaben überwiegen.

Mir verleiden sie jegliche Leselust schon im Voraus. Sie wirken auf mich wie Mückenschisse an der Scheibe. Mag sein, mancher kann über sie hinwegsehen, mir gelingt es nicht. Und so pünkteln sie vor sich hin und tüpfeln und punkten. Und wenn sie nicht … (ja, hier – und genau hier – haben sie ihre Berechtigung, denn ihr dürft den Gedanken gerne selber punktgenau zu Ende bringen).

PS Drei Punkte mit Leerzeichen als Fortsetzungsdarstellung eines Gedankens oder als Wort-/Satzteilauslassung, auch am Satzanfang. Drei Punkte ohne Leerzeichen für nicht getippte Buchstaben. Nicht mehr, nicht weniger.

From Dawn to Dawn

Earthhour 2014. Für eine Stunde gehen heute Abend die Lichter aus. Dinner bei Kerzenlicht, handgemachte Musik und akrobatische Darbietungen bei Feuerschein werden nur einige der Möglichkeiten sein, der Auszeit für unsere Erde ein besonderes Flair zu verleihen. Aber darf Umweltbewusstsein, darf Klimaschutz sich nur auf eine Stunde, diese sechzig Minuten, die nicht mehr als eine Alibifunktion haben können, nicht mehr als ein erster Anstoß für ein neues Bewusstsein sein können, beschränken?

Seit 2010 gibt es in Amerika den “National Day of Unplugging”. Von einem Sonnenauf- oder -untergang zum nächsten bleiben – soweit sinnvoll – alle elektrischen Geräte aus. Ein Tag ohne Abhängigkeit von PC, ohne Handy, ohne Television. Vielleicht bleibt sogar die Küche kalt, und das Frühstücksgetränk kommt schon am Vorabend in die Thermoskanne. Umdenken.

Mir gefällt die Idee, die Earthhour auf einen Earthday auszuweiten. Nicht nur einmal im Jahr, sondern öfter, viel öfter, immer öfter.

Alle Themen rund um Minimalismus, Umwelt, erneuerbare Energien prägen meinen Alltag. Darüber schreibe ich gerne und kompetent.

Fromm und Hartz

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt. Der Hortende, der ständig Angst hat, etwas zu verlieren, ist psychologisch gesehen ein armer Habenichts, ganz gleich, wie viel er besitzt. Wer dagegen die Fähigkeit hat, anderen etwas von sich zu geben, ist reich.“

Erich Fromm, der heute 114 geworden wäre, wenn …

Wenn ein so hohes Alter möglich, ja, wenn es erstrebenswert wäre. Man würde glatt das Sozialsystem vollends zu Schrott fahren. Ein System, das zusehends löchriger wird, zu löchrig als Hängematte, als die es Uninformierte gerne bezeichnen.

Riester kann bei weitem nicht retten, was Hartz verbockt hat. Arbeitsplätze werden nicht aus dem Hut geschüttelt. Im Gegenteil. Wenige große Zauberer lassen die Möglichkeit zu menschenwürdigem Einkommen für alle in ihrem Hut verschwinden. Muss eine Mindestlohndebatte überhaupt geführt werden oder wäre es nicht sozialer, generell einen Nettoverdienst zu fixieren, der für den jeweiligen Arbeitnehmer wenigstens 50 % über dem Sozialhilfesatz liegt?

Der Unmut der arbeitenden Bevölkerung ist zu verstehen, wenn sie bei allem Kraftaufwand, allem ständig wachsenden Druck und Stress unterm Strich nicht mehr hat als jemand, der “nichts” tut (dass dies bei sicher mehr als 50 % der Arbeitslosen nicht freiwillig ist, steht auf einem anderen Blatt). Erst recht dann, wenn diese Personen womöglich noch das Procedere auf sich nehmen müssen, beim Jobcenter ergänzende Leistungen zum Arbeitsentgelt zu beantragen. Das ist entwürdigend und gegen jede Selbstbestimmung.

Wohl dem, der rechtzeitig die Chance hat, zumindest für die alten Tage ein zweites Standbein zu verankern. Damit nicht der Boden unter den Füßen entzogen wird. Und nicht der innere Reichtum dem Überlebenskampf unterliegt.

Psychologie, Sozial- und Arbeitsrecht, Hartz IV und das SGB gehören zu meinen Spezialgebieten. Profitieren Sie für Ihre Texte von meiner Erfahrung!

 

Kurz und gut

Was immer Du schreibst – schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.

Joseph Pulitzer

Das ist auch meine Maxime für Ihre Texte! Wortgenau, auf den Punkt getroffen.